Runa hat geschrieben:
Hallo Angela,
erstmal herzlichen Willkommen hier.
Was mich interessiert ist der Grund, warum der Hund das machen wird - also wo ist die Motivation für den Hund? Was springt für ihn dabei raus? Welchen Ansatz hast Du dafür?
Die Motivation ist immer die, die dein Hund auch für andere Arbeiten bekommt. Sei es Futter oder Spielzeug oder ein ehrliches, von Herzen kommendes Lob und überschwengliche Freude des Hundehalters.
Auch Treibball wird bei uns über positive Bestärkung - sprich Belohnung - aufgebaut: Bringt der Hund mir den Ball bzw. bringt er ihn dorthin, wo ich ihn hinhaben will, bekommt er dafür eine Belohnung. Ich hatte anfangs gehofft, dieser Sport wäre für meinen Hütehund selbstbelohnend, so nach dem Motto: "Bin ja nen Hütehund - das muss mir einfach Spaß machen!"
War aber nicht so. Allerdings habe ich festgestellt, je anspruchsvoller und abwechslungsreicher ich Treibball gestalte - und man hat hier tolle Möglichkeiten! - umso mehr Spaß hat mein Hund und umso konzentrierter arbeitet er.
Für die Distanzkontrolle - also für ein "ruhiges" Arbeiten sowie auch für den gesamten Aufbau verwende ich bei meinem Hund Futter als Belohnung, will ich Tempo, z.B. für ein schnelles umkreisen der ausgelegten Bälle, bekommt sie hinterher ihr "Spieli" (das ist ein gelber Gummiknüppel - heißgeliebt). Für alle Beute-geilen Hunde, macht es Sinn, auch mit Beute als Motivation zu arbeiten -
die sollte aber niemals der Ball sein!
Da mein Hund gerne rennt, belohnt sie sich beim hinterherlaufen des Balles auch schon selbst - trotzdem erwartet sie hinterher die Belohnung.
Für einige Hütehunde kann Treibball selbstbelohnend sein, eben weil sie hier mit etwas beschäftigt sind, was ihnen liegt - von der Natur mitgegeben worden ist. Wir haben das schon erlebt.
Trotzdem sollte man Treibball nicht als "Ersatz" für das Hüten sehen - denn selbstverständlich kann der Hund ein Schaf von einem toten Ball unterscheiden. Da Jan Nijboer diesen Sport etwas unglücklich als "Ersatz" für das Hüten anbietet, wird Treibball in vielen Foren heftig kontrovers diskutiert. Das ist sehr schade.
Ich sehe es so: Eigentlich sind doch viele Sportarten ein "Ersatz" für irgendwas - welcher Hund arbeitet heute noch in dem "Beruf" für den er ursprünglich gezüchtet wurde? Wer kann sich heute noch eine Herde Schafe oder Rinder zu seinem Hütehund leisten - oder die teuren Hüteseminare.
Beim Treibball kann ich mir "ähnliche Elemente" aus dem eigentlichen Hütetraining abgeschaut- herausarbeiten, wie z.B. den "outrun" - das umkreisen der "Schafe" oder das "gathering" = sammeln, beim Treibball das zusammentreiben der Bälle. Aber trotzdem wissen wir doch, das der Hund beim Hüten die Schafe nicht mit der Nase treibt und der Hund weiß dies auch ganz genau zu unterscheiden!
Treibball ist ein Sport wie Agility, Dogdance, Flyball etc. - alles sollte als Beschäftigung für den Hund gesehen werden. Hauptsache ist doch, Hund und Halter haben Spaß.
Für uns ist es selbstverständlich, dass wir alles über positive Bestärkung (=Belohnung) aufbauen.